Der Länderpunkt Mazedonien ist von Deutschland eigentlich recht leicht zu erreichen: für rund 100 EUR bringt der Flieger von Ryanair den geneigten Cacher zu einem günstigen Zeitpunkt nach Skopje, der Hauptstadt von Mazedonien. Diesem Weg ist auch gar nichts entgegenzusetzen. Doch es ging auch anders…..

Hier mag ich Euch berichten, wie man mit dem Mietwagen von Thessaloniki aus gut in das Land Mazedonien kommt – oder eben auch nicht. Aber lest selbst…..

Griechenland als Ausgangspunkt für den Länderpunkt Mazedonien

Da ich als „Mainzer Mädchen“ trotzdem die Fastnacht so gar nicht im Blut habe, fliehe ich regelmäßig an den närrischen Tagen weit weg. Und was liegt näher, als einen Länderpunkt zu holen? Dieses Mal sollte es Griechenland sein und die fast erwachsene Tochter musste einfach mit. Deren Begeisterung war im Vorfeld nicht sehr groß, aber letztlich hat sie unsere gemeinsamen Tage am Edessa Wasserfall oder die Fotosession in Meteora oder eben auch der erlebnisreiche Ausflug nach Macedonia ihr super gut gefallen. Die Erlebnisse sind es eben, die uns im Gedächtnis bleiben….

Wir erstanden schon längere Zeit im Vorfeld günstige Flüge mit Ryanair von Deutschland nach Tessaloniki. Auch ein gutes, preislich interessantes Hotel fanden wir im engeren Gürtel um Tessaloniki. Da wir ab/bis Flughafen auch ein Auto gemietet hatten, war uns die Lage des Hotels nicht so wichtig. Wichtiger war das Vorhandensein von kostenfreien Parkplätzen und ein schneller Anfahrtsweg an die nächsten größeren Straßen.

Geocache als Länderpunkt Mazedonien

Für den eifrigen Geocacher aus Deutschland, der einige Tage in Thessaloniki Zeit hat, liegt es auf der Hand, die knapp 90 Kilometer in das Land Mazedonien gemütlich über die gut ausgebaute Landstraße zu fahren. Da wir einen Mietwagen für die komplette Dauer unseres Aufenthaltes gemietet hatten, planten wir diese Tour auch ein. Ziel war der Tradi Library in Gevgelia, GC4F97N.

Länderpunkt Mazedonien
Länderpunkt Mazedonien

Straße von Griechenland nach Mazedonien

Nach einem stärkenden Frühstück machten wir uns auf den Weg. Gespannt waren wir beide auf die letzten Kilometer der Straße, die direkt auf die Grenze von Griechenland nach Mazedonien zuführt. Kannten wir diesen Straßenabschnitt doch aus den Nachrichten der letzten Monate von den Flüchtlingsströmen, die hier ihren Weg ins Glück suchten. So beim gemütlichen Autofahren blieb ein wenig Zeit für eine politische Diskussion mit der Jugendlichen neben mir. Wir konnten uns gut vorstellen, was die Familien durchgemacht haben, als sie hier auf die Grenze zur Republik Mazedonien zuwanderten. Durch unsere Erinnerung an Fernsehbilder beschlich uns auch ein beklemmendes Gefühl. Wir überfahren nun eine Grenze, wo wir Ausweis und Fahrzeugpapiere benötigen. Solche Grenzkontrollen kennen wir aus unserer europäischen Umwelt ja kaum noch. Auf einmal war ich mir auch nicht mehr sicher, ob wir denn alle Papiere dabei hätten, die wir brauchen. Mit dem Mietwagen über eine Grenze in das benachbarte Land zu verschwinden? Da war doch was…. Schnell im Handschuhfach nachgeschaut, während die Straße schon immer mehr beleuchtet wurde, gerade auf die Wachhäuschen zulief, die man schon von Ferne erkennen konnte. Sicher kann man das Gefühl, das uns an diesem Punkt beschlich hier nicht gut erklären. Aber es war eine angespannte Situation, als wir schließlich mit unseren Ausweisen in der Hand und den Autopapieren im dicken Ordner die Beifahrerscheibe am Grenzkontrollhäuschen runter ließen.

Grenzübergang von Griechenland zur Republik Mazedonien

Und dann kam die Überraschung: wir wurden super freundlich von dem mit vielen Orden und Schnallen dekorierten Grenzbeamten begrüßt. Perfektes Englisch, als er unsere Ausweise sah, begrüßte er uns, sichtlich erfreut, in gebrochenem Deutsch. Wir lächelten natürlich freundlichst zurück und überreichten unsere Pässe. Passkontrolle: check. Wir wurden gefragt, ob wir in dem nächsten Ort die Kirche besichtigen wollten. Ja, das wollten wir, denn da liegt auch der nächstgelegene Tradi, der einzige, der so im Umfeld anfahrbar ist. Dann Fahrzeugpapiere: check. Oder doch nicht? Wir hatten keine grüne Versicherungskarte dabei! Nein, die hatten wir wirklich nicht. Wir bekamen angeboten, in dem nebenan liegenden Häuschen eine solche zu kaufen. Wäre aber teuer und würde sich nicht rentieren. Für einen solch besonderen Länderpunkt hätte ich das Geld durchaus in die Hand genommen, aber der nette Grenzbeamte hatte Mitleid mit uns. Er bot uns an, unser Auto neben ihm abzustellen und ein Taxi zu nehmen. Das sei viel günstiger und gut. Also stellten wir unseren Mietwagen in seiner Blickweite auf griechischer Seite ab (darauf legte er Wert!) und stiegen in ein direkt ankommendes Taxi um. Für ganz wenig Geld fuhr uns ein recht gesprächiger Taxifahrer in die naheliegende Stadt. Gut, dass dieser Cache an einer Sehenswürdigkeit liegt, sonst hätten wir noch Erklärungsnot bekommen…..

Länderpunkt Mazedonien
Länderpunkt Mazedonien

Cachen in Gevgelija – Länderpunkt Mazedonien auf außergewöhnliche Art

In ca. 15 Minuten ging es mit dem Taxi und mit einem immer lächelnden Fahrer direkt an die gewünschte Kirche. Natürlich machten wir uns direkt auf Cachesuche und der ungläubige Blick des Fahrers brachte uns zum schmunzeln. War aber ja egal. Wir hatten ja nicht gesagt, was wir da machen….. Leider finde ich unter Druck immer schwerer Caches und so wurden wir zunächst auch nicht fündig. Nach gefühlten 30 Minuten, was aber eher wohl 5 Minuten waren, stieg der Fahrer aus und gesellte sich zu uns. Jetzt half nur noch Flucht nach vorne und wir erklärten mit Englisch, Händen und Füßen, was wir denn da tun. Er hatte – erwartungsgemäß – noch nie etwas von Geocaching gehört. Aber Pokemon-fangen kannte er – von seinen Neffen und Nichten. Na, geht doch! Also haben wir den Vergleich zugelassen und ihm gezeigt, dass wir eine kleine Filmdose suchen. Ab dem Zeitpunkt suchten wir zu dritt und Angelo – unser Taxifahrer – fanden letztlich auch ein kleines Tütchen mit feuchtem Papier. Eigentlich suchten wir eine Filmdose…. Da aber schon mehrere Logs hierauf standen, legten wir einen sauberen Zettel zu, spendierten eine Filmdose und versteckten alles vor den Augen des Taxifahrers. Er war sichtlich stolz, nun etwas zu kennen und zu wissen, das er bei nächsten Besuchern einsetzen kann.

Rückfahrt

Auf der Rückfahrt versuchte unser Taxifahrer mit uns zu sprechen, was aber aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse unsererseits nicht erfolgversprechend war. Unversehrt kamen wir wieder an dem Grenzhäuschen an. Ein kurzes Gespräch über Geocaching mit viel Lächeln fand statt. Wir mussten versprechen, alle deutschen Geocacher zu genau diesem einen Taxifahrer zu schicken. Schließlich könne er ja jetzt den richtigen Platz zeigen. Er hatte wirklich schnell begriffen! Wenn Ihr also jemals an der Grenze von Griechenland zur Republik Mazedonien in ein Taxi steigt, fragt, ob es Angelo ist. Er kennt dann immerhin Geocaching und das Versteck des Caches an der Mauer….

Statt der vereinbarten 3.- EUR bekam der Fahrer 4.- EUR von uns, bedankte sich überschwänglich und wir bekamen den Autoschlüssel aus dem Grenzhäuschen gereicht. So einfach kann Völkerverständigung an einem eher negativ-berühmten Grenzübergang auch sein.

Es wäre für uns vielleich einfacher und schneller gewesen, die Einreise mit dem Flieger über Skopje zu wählen. Eindrucksvoller und prägender für uns war dieser Weg über den Punkt an der Grenze. Dieser Länderpunkt war für uns unvergesslich, für alle, die von Thessaloniki nach Gevgelija möchten, ist er gut erreichbar!

 

Berichte zu China, der Mongolei, Serbien, Luxemburg, Frankreich, Russland, Schweiz, Kosovo, Belgrad und Indien folgen demnächst….

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